Die Mainburger Tracht

Die Volkstracht, wie sie der Mainburger Verein heute trägt, basiert auf der Hallertauer Festtagstracht etwa um das Jahr 1860. Die Kleidung war bereits damals modischen Einflüssen unterworfen und regional durchaus etwas unterschiedlich. Gute Schilderungen der zu dieser Zeit üblichen Bekleidung liefern unter anderem Berichte von Landgerichtsärzten. So schreibt Dr. Karl Lauterbacher in einem Bericht für das Landgericht Mainburg über die Tracht der Männer:
„Im Allgemeinen ist, wie überall auf dem Lande, die kleidungsweise der Landbewohner eine stets um geraume Zeit später kommende Nachahmung der Moden in den benachbarten Städten. …Der wohlhabende Bauer neuerer Zeit … trägt einen modernen Rock mit langer Taille und Schößen bis an die Knie, an welchem nur die silbernen Knöpfe den Landbewohner unterscheiden. Die Weste ist von geblümten Atlas oder Samt, ebenfalls mit Silberknöpfen, die fast durchgängig aus angeöhrten Frauenzwanzigern und Zwölfern bestehen, mitunter auch schon in getriebener moderner Facon. Über der Weste prangt eine silberne Uhrkette. Die fast schlotternd sehr weite Hose von Leder geht zwar noch bis an die Knöchel herunter; darüber trägt er aber blankgewichste Stiefel, deren Schäfte bis über die Waden hinaufreichen und hier nicht selten durch Druck Hemmungen der freien Blut-Cirkulation und variköse Anschwellungen verursachen. … Der schwarze Filzhut ist bei ärmeren Männern und Burschen mit einer doppelten schwarzseidenen Schnur umwunden und mit 2 dicken schwarzen Troddeln oder Quasten verziert; bei wohlhabenderen sind diese schwer von echtem Goldfaden gedreht.“

Auch über die Kleidung der Frauen berichtet er ausführlich:
„Die Elite der Landbewohnerinnen, Wirthinnen und Müllerinnnen, sowie hie und da die junge Erbin eines reichen Bauernhofes … tragen die sogenannte bürgerliche Tracht. … Diese auch in den Märkten Mainburg und Au übliche Tracht besteht aus Rock und Unterspenser von gleichem Stoffe, von Pers (Baumwollgewebe), Wolle oder Seide, einem abstechenden Schurze, der mit seidenen Bändern gebunden ist, einem Mieder von schweren schwarzem Seidenzeuge mit schwarzer oder goldener Stickerei, silbernen Miederhaken, einem schweren silbernen Geschnür oft 10-12 Ellen lang, mit silbernen und vergoldeten Thalern … behängt, einem schwerseidenen Einstecktuche, ausgeschlagener Spitze oder Chemisette um den Hals, einer vielgängigen silbernen Halskette, mit einem hübsch gearbeiteten Schlosse, und endlich einer Riegelhaube von Silber oder Gold.“

Über die Kopfbedeckung der Bäuerinnen schreibt er:
„Den Kopf bedeckte sonst Sommerszeit eine sogen. Bänderhaube, ein kleiner seidener Gupf. Winterszeit trug die Bäuerin früher eine Pelzhaube von schwarzem Kanin…“ (andere Berichte sprechen auch von Otterfell) „…mit goldgesticktem Boden, und diese Pelzhaube ist jetzt zu allen Jahreszeiten, also auch im heißesten Sommer angenommenes Festtagtragen für Jung und Alt …“

Sieht man sich die Mainburger Tracht heute an, so wird man sehr viel Übereinstimmung mit obiger Schilderung entdecken. Natürlich werden nicht mehr die originalen Trachten aus der damaligen Zeit, sondern nach altem Vorbild nachgeschneiderte Trachten getragen.